Nacht-Depesche

Hotelportale in der Kritik
15 Prozent Provsion pro Buchung

Hotelportale in der Kritik

Die Geschäftspraxis der großen Hotelportale Booking.com und HRS.de wird von vielen Hoteliers kritisch beurteilt. Eine offene Kritik blieb allerdings lange aus, weil die beiden Marktführer einen enormen Einfluss auf die Buchungen haben.

von <a href="https://nacht-depesche.de/Autoren/Ignaz_Nemtsov">Ignaz Nemtsov</a>

veröffentlicht am 10. Dezember 2017 | 12:05 Uhr

Hotellobby
Die grösser werdende Marktmacht von Buchungsplattformen führt nicht selten zu Konflikten.

Nur wenige Hotels können es sich leisten, auf die Buchungen über die Branchenführer zu verzichten. Nun wird aber öffentliche Kritik am Geschäftsgebaren der Platzhirschen geäußert. Zeitgleich ermittelt das Bundeskartellamt gegen HRS.

Anfang des Monats kritisierte der renommierte Hamburger Hotelier Eugen Block in der „Hamburger Morgenpost“ die einflussreichen Buchungsportale.

Block besitzt ein Firmenimperium, das unter anderem aus 36 Block-House-Restaurants und dem noblen Hotel „Grand Elysée“ besteht. Seine Unternehmen generieren einen Umsatz von über 300 Millionen Euro im Jahr.

Im Gespräch mit den Journalisten von der „Morgenpost“ nahm der erfolgreiche Hotelier kein Blatt vor den Mund. Die Portale würden für jede Vermittlung eine Provision von 15 bis 25 Prozent einstreichen. Für Block sind diese Vermittlungsprovisionen sogar „Raubritterei“.

Hoteliers sind unzufrieden
Hoteliers sind unzufrieden.

Der Branchenriese HRS verlangt 15 Prozent Provsionszahlung pro Buchung. Der Unternehmer zahlt daher jährlich rund eine Million Euro an die Hotel-Vermittler. Dabei buchen nur zehn bis 20 Prozent seiner Gäste über die großen Portale.

Die immensen Summen werden, laut Block, allerdings nicht durch Leistungen vergütet. Die Portale würden „kaum einen Mehrwert“ bieten. „Die Kosten für die Portale sind unangemessen hoch. Sie entsprechen nicht den ehrlichen kaufmännischen Tugenden“, urteilt Block.

Die vom Hotelier formulierte Kritik wird auch von anderen Hotelbesitzern geteilt. Daher haben die Hoteliers der Stadt Regensburg im September den Beschluss gefasst, die großen Buchungsportale für die Dauer einer Woche zu boykottieren.

Der Hotelier Block fordert seine Kollegen unterdessen auf, den Mut aufzubringen, um den großen Buchungsportalen den Kampf anzusagen.

Der Hamburger Unternehmer hilft sich selbst, indem er besondere Anzeigen auf den Seiten der Buchungsportale veröffentlicht. Dort weist er darauf hin, dass die Buchung auch ohne Portal möglich ist: 

zitat 2

Ein guter Gastgeber ist immer ehrlich. Und das beginnt beim Preis. Buchen Sie direkt bei uns und wählen Sie aus vier geräumigen Zimmerkategorien zum garantiert besten Preis. Denn Sie sind ja bei uns zu Gast und nicht bei einem anonymen Buchungsportal

Der Hotelier Block und andere Kollegen ärgern sich außerdem darüber, dass die Hotelzimmer, die über die Portale angeboten werden, nicht teurer an die Gäste vergeben werden können, die direkt im Hotel buchen. Diese Geschäftspraxis alarmierte das Bundeskartellamt.

Mittlerweile wurde das Portal abgemahnt. Es geht dabei um die Best-Price-Klausel, denen die Hoteliers vertraglich zustimmen müssen. Die Klausel legt fest, dass die Hotels bei HRS den jeweilig günstigsten Hotelpreis und die jeweilig niedrigste Stornierungsgebühr anbieten müssen.

Das bedeutet faktisch, dass HRS auch den Preis für die einzelnen Zimmer bestimmt. Diese Bedingungen beschäftigen nun das Bundeskartellamt. Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, lässt eine Abteilung des Amtes überprüfen, ob die Klausel der Wettbewerbsfähigkeit entspricht.

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