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Top oder Bottom? Romeo verrät alles
Rollenverteilungen nach Herkunft

Top oder Bottom? Romeo verrät alles – und will doch nichts gesagt haben.

Eine der größten Gay-Dating-Plattformen der Welt hat intime Nutzerdaten veröffentlicht – und zieht ein erstaunlich harmloses Fazit. Wer genauer hinsieht, erkennt: Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte.

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Die Dating-Welt ist digital, direkt – und manchmal entlarvend ehrlich. ROMEO, früher bekannt als PlanetRomeo, ist eine internationale Dating-Plattform für Männer, die Männer lieben.

Drei Millionen Nutzer weltweit, meist schwul oder bisexuell, geben in ihren Profilen nicht nur Alter und Haarfarbe an – sondern auch ihre Vorlieben im Bett. Dabei geht es um eine simple Frage: Wer übernimmt die aktive Rolle beim Sex („Top“), wer die passive („Bottom“) – und wer beide („Versatil“)?

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Nutzer gaben intime Rollenpräferenzen preis

Von außen gelten Tops als aktiv, dominant und maskulin – Bottoms als passiv, weich und feminin. Jeder Fall ist individuell, aber diese Zuschreibungen prägen die öffentliche Wahrnehmung.

Jetzt hat ROMEO seine weltweiten Nutzerdaten analysiert. Das Ergebnis: deutlich. Länder, Ethnien, Haarfarben – alles scheint Einfluss auf die bevorzugte Rolle zu haben. Doch am Ende heißt es im offiziellen Blogbeitrag nur: „Letztendlich gibt es kaum einen Zusammenhang.

Rotblond oft unten

Treffen ein blonder Litauer und ein schwarzhaariger Pakistani aufeinander, ist die Sache statistisch klar: Mit mehr als fünffacher Wahrscheinlichkeit (≈ 5,02) liegt der Litauer unten – der Pakistani oben.

Keine Vermutung, kein Klischee. Klare Zahlen, direkt aus der größten Nutzerumfrage, die ROMEO je veröffentlicht hat. Drei Millionen Profile wurden dafür weltweit ausgewertet, detailliert aufgeschlüsselt nach Land, Haarfarbe, ethnischer Zugehörigkeit und sogar Penisgröße. Ein Datenschatz, wie man ihn selten bekommt – und doch zieht ROMEO am Ende eine Schlussfolgerung, die sich durch die eigenen Zahlen nicht belegen lässt.

“Letztendlich gibt es kaum einen Zusammenhang zwischen unserem Aussehen und unserer Rolle im Bett. Und das gefällt uns!“, heißt es am Ende des Blogbeitrags zur Studie.

Doch wer auch nur einen kurzen Blick in die Tabellen und Grafiken wirft, erkennt: Diese Aussage ist kaum haltbar. Die Unterschiede sind deutlich. Die Balken zur Haarfarbe zeigen einen klaren Verlauf: ganz links die Rothaarigen – mit dem höchsten Bottom-Anteil und dem niedrigsten Top-Wert. Dann die Blonden, dann die Brünetten. Ganz rechts: die Schwarzhaarigen – mit den meisten Tops und den wenigsten Bottoms.

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Rotblond oft passiv

Bei der ethnischen Selbstbeschreibung wiederholt sich dasselbe Muster: Asiaten sind deutlich häufiger Bottom-orientiert. Auch Kaukasier und Latinos liegen häufiger unten. Erst ab „Mixed“ und „Mediterranean“ beginnt sich das Verhältnis auszugleichen. Araber und Schwarze schließlich – lesen sich deutlich häufiger als Top.

Auch bei der Penisgröße zeigt sich ein Trend: Je größer der Schwanz, desto stärker die Tendenz zur aktiven Rolle. Diese Linie verläuft parallel zu den ethnischen Daten – was nicht überrascht, wenn man berücksichtigt, wie unterschiedlich Penisgrößen weltweit verteilt sind. Wer solche Muster ignoriert, blendet nicht nur Details aus, sondern systematische Unterschiede.

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Je größer der Schwanz, desto stärker die Tendenz zur aktiven Rolle

Korrektheit statt Klartext

ROMEO hat offensichtlich kein Erkenntnisproblem, sondern ein Deutungsproblem. Die eigene Datenlage legt deutliche Unterschiede offen – doch das offizielle Fazit lautet: Alles verteilt sich weitgehend gleich.

Diese Einordnung steht nicht nur im Widerspruch zu den veröffentlichten Zahlen, sondern auch zu den anekdotischen Erfahrungen der eigenen Nutzer. Wer Zahlen veröffentlicht, sollte auch den Mut haben, sie ehrlich zu interpretieren – und kein wohlmeinendes Fazit präsentieren, das sich gut anfühlt, aber den Boden der Realität verlässt.

Nackte Zahlen

Man sollte ROMEO keine Unredlichkeit unterstellen. Im Gegenteil: Sie haben die Daten erhoben – und veröffentlicht. Die Schlussfolgerung daraus mag fragwürdig sein, aber die Veröffentlichung selbst schafft Transparenz. Die Zahlen sprechen für sich. Jeder kann sie selbst einsehen und eigene Schlüsse ziehen.

Dass ROMEO mit brisanten Daten offen umgeht, zeigt auch ein anderes Beispiel – fernab der sexuellen Vorlieben. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 hat ROMEO eine eigene Wahlumfrage veröffentlicht.

Die AfD lag mit 27,9 % deutlich vorn – vor CDU (19,9 %), SPD (17,6 %) und Grünen (12,5 %). Das Ergebnis sorgte bei hauptamtlichen LGBTQ+-Funktionären für Entsetzen. ROMEO sah sich unter Druck, zu erklären, warum sie solche Umfragen durchführen.

Der Plattform schlug massiver Widerstand entgegen – bis hin zu offenen Anfeindungen. ROMEO hat die Stellung gehalten. Sie haben die Umfrageergebnisse nicht gelöscht, nicht versteckt, nicht relativiert. Das verdient Anerkennung.

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Eva
7 Tage zuvor

Dass hier ernsthaft Unterschiede in sexuellen Rollenpräferenzen mit Ethnie, Haarfarbe und Penisgröße „belegt“ werden sollen, ist nicht nur gefährlich, sondern strukturell rassistisch, biologistisch und zutiefst entmenschlichend. Die Vorstellung, dass „Schwarze häufiger Top“ seien oder „Asiaten lieber Bottom“ ist keine Erkenntnis – es ist ein kolonialer Mythos.

Philipp
7 Tage zuvor

Ein „kolonialer Mythos“, also. Trifft ein rothaariger, schlanker, 20-jähriger Ire nachts im Park auf einen muskulösen, 30-jährigen Senegalesen, ergeben sich fünf Einzelwahrscheinlichkeiten – basierend auf Ethnie, Haarfarbe, Körperbau, Alter und Land. Multipliziert man diese unter der Annahme stochastischer Unabhängigkeit, erhält man: (0,00786 %, 0,000105 %, Faktor ≈ 75) → „Ire = Bottom, Senegalese = Top“ ist rund 75-mal wahrscheinlicher als das umgekehrte Szenario. Natürlich sind die Merkmale nicht völlig unabhängig. Aber: Die Unterschiede sind real, messbar und reproduzierbar. Die Trends sind nicht marginal – sie verstärken sich in der Kombination multiplikativ. Die ROMEO-Daten zeigen eine deutlich asymmetrische Verteilung. Diese Unterschiede sind statistisch evident, nicht zufällig – und lassen sich auch nicht durch „Sozialkonstruktion“ wegdiskutieren.

Bernd Ölsnitz
7 Tage zuvor

Man muss nicht bestreiten, dass die Zahlen, die ROMEO hier veröffentlicht hat, bemerkenswert sind. Sie zeigen Unterschiede – teils deutlich, teils subtil –, die viele in der Szene längst intuitiv wahrgenommen haben. Wer ehrlich ist, wird sich eingestehen: Vieles davon überrascht nicht. Und dennoch stellt sich die Frage: Was genau gewinnen wir eigentlich durch diese Veröffentlichung? Denn so nachvollziehbar diese Erhebung auch sein mag – sie führt zwangsläufig zu einer Form von Ordnung, die viele gar nicht suchen. Wenn bestimmte Gruppen in bestimmten Rollen überrepräsentiert sind, dann wird das – bewusst oder unbewusst – zur Erwartung. Was heute noch Statistik ist, wird morgen zum Klischee. Und übermorgen zum stillen Maßstab. Die Menschen, die mit diesen Daten arbeiten, sind selten dieselben, die sich ihrer Komplexität bewusst sind. Im Zweifel bleiben nicht die Fußnoten hängen – sondern die Schlagzeile. Und so wird aus einer nuancierten Tendenz ein hartes Urteil. Aus einer beobachteten Verteilung ein vermeintliches Naturgesetz. Ich sage nicht: Die Zahlen sind falsch. Im Gegenteil. Aber ich frage: Was richtet ihre Sichtbarkeit an? Es gibt gute Gründe, warum manche Dinge in Gemeinschaften eher geahnt als gemessen werden. Manche Muster wirken harmlos, solange sie nicht benannt sind. Aber sobald sie in Tabellen und Prozenten vorliegen, verlieren sie ihre Unschuld – und bekommen ein Gewicht, das viele nicht tragen können. Gerade in einer Welt, die sich mühsam um Anerkennung, Offenheit und Gleichwertigkeit bemüht, braucht es nicht immer mehr Wahrheit. Manchmal braucht es Takt. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Nicht alles, was man zählen kann, sollte man öffentlich zählen. Und nicht alles, was sichtbar ist, muss ausgeleuchtet werden. Manchmal reicht es, dass man es weiß. Still. Für sich. Und ohne Zahl dahinter.

Torsten
3 Tage zuvor

Ehrlich gesagt frage ich mich, warum ROMEO überhaupt so eine Auswertung macht, wenn sie das Ergebnis dann nicht aushalten können. Erst riesige Statistiken auffahren und dann hinten raus behaupten, es gäbe keine Zusammenhänge? Klingt so, als wollten sie nett sein, obwohl ihre eigenen Zahlen was ganz anderes zeigen.

Erich Weingard
1 Tag zuvor

Die Escort-Studie Illicit Intersections: The Value of Sex Worker Services zeigt: Schwarze Tops verdienen 12 % mehr, schwarze Bottoms 30 % weniger. Rothaarige – mit Abstand die schwächste Preisgruppe – verlieren bis zu 14 %. Diese Zahlen belegen, dass sexuelle Rollenpräferenzen nicht beliebig wählbar sind. Wer freiwillig auf Geld verzichtet, folgt keiner Sozialkonstruktion.

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